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Donnerstag, 20. April 2017

Die Tante von Kaspar Hauser

Als alter Monarchist lese ich gerade „Bayerns Königinnen“ von Marta Schad. Unter anderem geht es darin auch um die Lebensgeschichte von Königin Caroline von Bayern (1776-1841) die mit dem bayerischen König Max I. Joseph verheiratet war. 
Sie war ursprünglich eine badische Prinzessin und der spätere Großherzog Karl von Baden war ihr Bruder. Wer meinen Beitrag über Kaspar Hauser gelesen hat und den weiterführenden Links gefolgt ist, wird wissen dass Karl als vermeintlicher Vater von Kaspar Hauser angesehen wird. 
Mutter war die Großherzogin Stephanie, eine Adoptivtochter von Napoleon. Am 29. September 1812 kam ihr Erstgeborener in Karlsruhe auf die Welt, der übrigens den Namen Kaspar tragen sollte! 
Wenig später verstarb das kerngesunde Kind plötzlich unter nebulösen Umständen, wobei bereits damals vermutet wurde, man habe den Thronerben durch ein anderes (sterbendes) Kind ausgetauscht und ihn „verschwinden“ lassen. 
Einfach weil das äußere Erscheinungsbild des zierlichen und kränklichen „Wechselbalges“ nicht konform ging mit dem properen Aussehen des kleinen Kaspar noch wenige Stunden zuvor. Der Mutter wurde verboten [sic!] sich die Leiche des Kindes anzusehen! 
Vier Jahre nach dem vermeintlichen Tod Kaspars bekamen Stephanie und Karl abermals einen Sohn, welcher kurz danach verstarb. 
Karl, so geht aus den Aufzeichnungen von Königin Caroline hervor, verzichtete bewusst auf eine Obduktion, da er Angst hatte man würde Spuren von Gift in seinem Stammhalter entdecken! 
Königin Caroline war also die Tante von Kaspar Hauser und hat sich auch sehr für seine Geschichte interessiert, was sie auch dazu bewegte sich mit Personen auszutauschen die ihn persönlich gekannt haben, so traf sie u.a. den Nürnberger Bürgermeister Binder! 
Ihre „Recherchen“ und Kontakte im Fall Hauser trug sie in ihr Tagebuch ein. In ihren Notizen fanden sich interessante Hinweise, auch wenn vieles nur angedeutet wurde. 
Neu für mich war der Umstand dass Großherzogin Stephanie von Anfang an wusste dass man ihren Sohn ausgetauscht hatte und sie bat Jahrzehnte später den zwielichtigen Engländer Graf Stanhope (der sich in Nürnberg und Ansbach um Hauser „gekümmert“ hatte) ihn ihr vorzustellen, was dieser allerdings verweigerte. 
Im Januar 1833 bekam Königin Caroline zu der Angelegenheit einen anonymen Brief, der sie tagelang nicht zur Ruhe kommen ließ. 
Am Ende des Jahres, am 14-12-1833, wurde Hauser eine Stichwunde zugefügt und er starb drei Tage später. 
In dem Zusammenhang kam sie in ihrem Tagebuch nochmals auf das anonyme Schreiben zurück und lehnte entschieden die von Graf Stanhope geäußerte „Selbstmordhypothese“ ab. 
Der Brief existiert heute nicht mehr, er ging mit den restlichen Auszeichnungen der Königin im Zweiten Weltkrieg in Flammen auf. Man darf wohl raten ob in dem anonymen Schreiben die Ermordung Hausers angekündigt worden ist...

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